Matthias von Wartburg – Reformierte Kirchgemeinde Nidau https://ref-nidau.ch Sun, 19 Feb 2023 09:54:59 +0000 de-CH hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 https://ref-nidau.ch/wp-content/uploads/2025/05/cropped-RKN-Logo-Quadratisch-1-32x32.png Matthias von Wartburg – Reformierte Kirchgemeinde Nidau https://ref-nidau.ch 32 32 Fast 10’000 Stunden Freiwilligenarbeit https://ref-nidau.ch/9000-stunden-freiwilligenarbeit/ Sun, 19 Feb 2023 09:50:02 +0000 https://ref-nidau.ch/?p=3653 Ein grosses Merci!

Seit 2020 erfassen wir als reformierte Kirchgemeinde Nidau die Freiwilligenarbeit. Wir sammeln jeweils in den verschiedenen Gruppen und Kommissionen die Zahl der Stunden der Freiwilligen.

Im vergangenen Jahr haben wir 9926 Stunden zusammengebracht, das sind gegenüber dem Jahr 2020 (9000 Stunden) über 10 Prozent mehr, gegenüber dem Vorjahr (9515) plus 4,3 Prozent.

Wir bedanken uns deshalb von ganzem Herzen bei unseren 200 Freiwilligen, die unsere Kirchgemeinde mit ihrem Wirken farbiger machen. Ohne Euch könnten wir all unsere Aufgaben nicht wahrnehmen.

Ein grosses Merci!

Sozialdiakonin Christina von Allmen Kirchgemeinderätin Corine von Wartburg

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Rennovation Matthäus-Zentrum Port https://ref-nidau.ch/rennovation-matthaeus-zentrum-port/ Tue, 14 Feb 2023 15:23:04 +0000 https://ref-nidau.ch/?p=5535 Nachdem die ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung letzten Oktober die Renovation und Neunutzung des Matthäus-Zentrums bewilligt hat, können wir nun starten: In diesem Jahr werden alle benötigten Vorbereitungs-Arbeiten durchgeführt.

Im nächsten Jahr folgen die Ausführungsarbeiten. Der Bezug des renovierten und neugestalteten Matthäus-Zentrums ist für Dezember 2024 geplant.

Wir werden Sie weiterhin zum Stand der Arbeiten informieren.

Eric Hoffmann,
Präsident Kirchgemeinde Nidau

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Innehalten – Innewerden https://ref-nidau.ch/innehalten-innewerden/ Tue, 17 Jan 2023 17:41:59 +0000 https://ref-nidau.ch/?p=5348 Und Gott sprach: Es werde Licht!
Und es wurde Licht. Das sind die ersten Worte von Gott in der Bibel. Immer am ersten Sonntag im Februar feiert unsere Kirche seit 110 Jahren den Kirchensonntag. An diesem Sonntag ergreifen Frauen und Männer aus der Kirchgemeinde das Wort. Der Synodalrat gibt ein Thema vor. Dieses Jahr ist das Thema «Innehalten – Dinge im neuen Licht sehen». Es soll uns daran erinnern, dass wir in den letzten Jahren immer wieder dazu kamen, ja dazu gezwungen wurden innezuhalten, anzuhalten und uns einzuschränken. Zuerst wegen der Pandemie und dann wegen des Krieges in der Ukraine. Aber dieses Innehalten gab uns die Chance nach dem Wesen und Wesentlichen unseres Lebens zu fragen. Leonhard Cohen singt in einem Lied: «There’s a crack in everything. That’s how the light gets in.» – Alles hat einen Riss – so kommt Licht hinein.

Unser Leben hat Brüche und lässt den Verdacht aufkommen, dass alle irgendwie «einen Sprung in der Schüssel» haben. Ja, Gott hat am Anfang das Licht und die Dunkelheit getrennt. So hat nach der Bibel unser Leben begonnen. Und als wir geboren wurden, kamen wir ja tatsächlich von der Dunkelheit der Gebärmutter ins Licht des Lebens. Und so sollte es auch weiter gehen.

Aber wir Menschen kehren die Geste des Schöpfers um: wir vermischen das Dunkle und das Helle aufs Neue. Und mit dieser neuen furchtbaren Mischung machen wir unsere Welt. Für mehr Einzelheiten schauen Sie bitte die Tagesschau und in die Zeitung.

Die Nächte werden wieder kürzer und der Morgen bricht früher an. Die Tage werden spürbar länger. Es gibt im Kanton Glarus das Martinsloch. Dort scheint die Sonne an vier Tagen im Jahr hindurch und beleuchtet die Kirchen von Elm. Hoffentlich spricht der Schöpfer ein neues «werde», so dass in uns Licht wird. So können wir sehen, dass dieses Licht gut ist. Und wir selber können für uns und andere Licht werden. Die Sonne ist gut und recht. Aber Jesus sagt nicht zur Sonne: «Du bist das Licht der Welt.» Er sagt es zu uns. Und wenn wir uns das sagen lassen, dann wird aus dem Innehalten ein Innewerden. Dann ist Licht, Innen und Aussen.

Daniel de Roche, Pfarrer

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Feiern – wann immer? https://ref-nidau.ch/feiern-wann-immer/ Thu, 05 Jan 2023 10:08:12 +0000 https://ref-nidau.ch/?p=5300 Menschen können nicht nur funktionieren. Leben ist mehr. Im Feiern wird es erlebbar – als Verbundensein mit andern, mit dem Ganzen, als Sinn. Wann immer, nicht nur sonntags.

Rat und Pfarrteam haben im neuen Jahr Gottesdienste auch unter der Woche am Abend eingeplant. Als «Werktags-Gottesdienste» sind sie ausgeschrieben. Sie orientieren sich an einer schlankeren Liturgie – oder haben einen anderen Charakter. Das Wesentliche bleibt: Wir suchen das Leben und fragen nach Gott.

Einmal im Monat öffnen wir Ihnen künftig an wechselnden Tagen unter der Woche die Tür. Darum wird es Sonntage geben, an denen man zum Beispiel Wort-Raum-Klang, einen Romands-Gottesdienst oder eine Feier in einer Nachbargemeinde besuchen kann.

Gerne hören wir von Ihnen und wie Sie das erleben. Wir freuen uns auf Ihr Echo.

André Schild,
Kirchgemeinderat Ressort Kultur
Kontakt:
andre.schild@ref-nidau.ch
T. 079 632 07 54

oder bei Mitarbeitenden der Kirchgemeinde

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Das Paradies hinter dem Glas https://ref-nidau.ch/das-paradies-hinter-dem-glas/ Thu, 05 Jan 2023 09:12:22 +0000 https://ref-nidau.ch/?p=5296 Wir schlendern gemütlich durch lange Korridore zu unserem Bestimmungsort. Künstliches Licht weisst uns den Weg in den Bauch eines mächtigen Gebäudes. Es kommt uns vor, als würde uns der Klotz wieder einmal verschlucken, und wir leisten ihm aus Gewohnheit und Vernunft keine Gegenwehr. Der Alltag mit seinen regulären Abläufen und Verpflichtungen hat uns fest im Griff – soll sein.

Wir schreiten etwas monoton der bildenden Zukunft entgegen. Wir erwarten keine Überraschungen. Unsere Stimmung ist nicht bedrückt, sondern lediglich im normalen Alltagsmodus. Wir spazieren bei einem riesigen Fenster vorbei und ich spähe hinein.

Normalerweise ignoriere ich die Grossscheibe freundlich, denn ich habe andere Aufgaben zu erfüllen. Das Glas nimmt seine Bestimmung wahr, indem es nach der Logik des  Erbauers ein wenig natürliches Licht in den dunklen Bau dringen lässt.

Was ich betrachte, lässt mich das Handy zücken und ich beginne Bilder zu knipsen. Jemand aus der

Gruppe ruft: «Hey, wir müssen weiter! Jetzt bleibt keine Zeit für Fotos. Weshalb tust du das jetzt – typisch?». Ich sage ihm, dass ich das Paradies hinter dem Glas zumindest in meinem Handy aufbewahren möchte. Er schaut mich etwas verdutzt an. Ich weiss nicht, was er sieht, aber Sie müssen wissen, hinter der Scheibe leuchten mir atypisch grelle und saftige Farben in der kalten Jahreszeit entgegen. So als ob sich der ewige Sommer vor dem schlafenden Winter hätte retten können. Ich selbst fühle mich fast schon etwas entrückt und hätte Lust in den «tropischen» Wald hineinzutreten. Ich lasse es bleiben, denn die mir zugewandte Stimme reisst mich jäh aus meiner verklärten Vorstellung heraus: «Komm, wir müssen gehen, denn die Stunde beginnt gleich».

Was ich mitnehme, fragen Sie sich vielleicht. In den wenigen Minuten vor meinem persönlichen «Waldparadies» kam mir ein Bibelvers in den Sinn, der so lautet:

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt …
(Offenbarung 21,1ff)

Wir schreiten vielleicht gemütlich und bestimmt, wie gewöhnlich, in ein neues Jahr hinein. Was erwartet Sie? Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen im Meer vom Alltag ein heiliger Moment. Zücken Sie ihr Handy hervor und halten Sie es fest, denn Sie werden Zeugen vom kleinen Paradies (Vielleicht schickenSie mir das Bild). Und schöpfen Sie daraus Kraft und Ruhe, denn das neue Jahr braucht bestimmt Menschen, ausgestattet mit Schöpfungskraft. Ein gutes neues Jahr wünsche ich Ihnen!

Pfarrer Fabio Carrisi

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Frieden auf Erden https://ref-nidau.ch/frieden-auf-erden/ Thu, 08 Dec 2022 09:40:18 +0000 https://ref-nidau.ch/?p=5157 Ich war vom 31. August bis zum 8. September mit ein paar hundert Schweizer Menschen in Karlsruhe bei der 11. Vollversammlung des ökumenischen Rates der Kirchen. Diese betete: «Die Liebe Christi möge diese leidende und gespaltene Welt bewegen, versöhnen und einen, und alle, die Gewalt und Trennung verursacht haben, mögen ihre Sünden erkennen und bereuen und sich so verhalten, dass Gerechtigkeit und Friede wiederhergestellt werden.» Aber ist dieses Gebet um Frieden nicht hoffnungslos? Wie kann Frieden auf Erden werden? Ich möchte Ihnen vom Frieden und von einer Armee erzählen, die mir Hoffnung macht. Denn im Moment sehen wir in der Tagesschau hoffnungslose Bilder von Armeen, die eher beelenden als Hoffnung geben. Ich habe einen Text von Philippe Zeissig (1920–1992) gefunden, bei dem uns ein Licht aufgehen kann, wie auf Erden Frieden werden kann:

«Die Heilsarmee hat im Vergleich zu allen anderen Armeen eine hoffnungsvolle, positive Eigenschaft: Sie baut Menschen auf, anstatt sie abzubauen, sie zu töten. Wo sie aktiv ist, sind die Menschen nachher lebendiger als vorher. Was in unseren unfriedlichen Zeiten ziemlich bemerkenswert ist. Die Taktik dieser Armee heisst: Suppe, Seife, Seelenheil. Drei Worte: Essen geben; Menschenwürde zurückgeben, ein offenes Ohr geben, den Sinn unseres menschlichen Tuns und Lassen im Sinne von Gottes Liebe ansprechen.

Unsere Suppe ist so reichhaltig, dass sich unsere Probleme eher um den Aperitif und die Abmagerungskur drehen. Was unseren Lebensstandard betrifft, so lässt er die einfache Seife weit hinter sich. Für weitere Details konsultieren Sie bitte die Schaufensterauslagen der Parfümshops. Bleibt noch das Seelenheil. Da sind wir beim Licht der Kerzen. Oder vielleicht nur beim Schein und Rauch der Kerzen? Haben wir vielleicht eine hungrige Seele in einem übersättigten Körper? Da kann keine Armee der Welt helfen. Deshalb schickt uns Gott das Kind. Es bläst sanft in die Glut unseres Lebens. Sie könnte sonst erlöschen.

Die Heilsarmee hat im Vergleich zu allen anderen Armeen eine glorreiche Spezialität: Sie macht Menschen neu, anstatt sie zu besiegen. Wo sie tätig ist, leben danach mehr Menschen als davor, was in diesen Zeiten sehr bemerkenswert ist.

In schweren Fällen besteht ihre Taktik aus drei Worten: rettende Seifensuppe. Essen geben, Würde zurückgeben und schliesslich die Bedeutung unserer menschlichen Angelegenheiten ansprechen und sie für die göttlichen Abenteuer öffnen. Unsere Suppe ist so reichlich und reichhaltig geworden, dass unsere Probleme der Aperitif und die Schlankheitskur sind. Was den Lebensstandard angeht, so lässt er die einfache Seife weit hinter sich: Für weitere Details schauen Sie bitte in die Schaufenster. Bleibt noch die Erlösung. Da ist man bei Kerzenlicht; und vielleicht nur bei Rauch. Eine leere Seele auf einem vollen Körper. Da kann auch eine Armee nicht mehr helfen. Deshalb schickt Gott das Kind. Es wird sanft blasen, was zu erlöschen droht.»

Ich wünsche Ihnen, dass in der kommenden Advents- und Weihnachtszeit dieses sanfte Blasen Ihre Lebensglut neu beleben kann.

Daniel de Roche, Pfarrer

Daniel de Roche ist seit dem 1. September stellvertretender Pfarrer in der Kirchgemeinde Nidau. Er wohnt mit seiner Frau seit 2020 in Nidau und hat drei erwachsene Kinder.

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Das Evangelium im Hotelraum 102 https://ref-nidau.ch/das-evangelium-im-hotelraum-102/ Thu, 27 Oct 2022 05:47:44 +0000 https://ref-nidau.ch/?p=5065 Der Seminarraum, der sich in einem Hotel mitten in Karlsruhe befindet, scheint, als wäre er in den 80ern stehen geblieben. Der Teppich, die Stühle und das Muster der zugezogenen Vorhängen weisen darauf hin. Jedoch geht es hier weniger um die Raumeinrichtung, sondern um einen Workshop zum Thema HIV-Stigmatisierung und wie lokale Kirchgemeinden sich für die Integration von Aids-Betroffenen engagieren.

Dieses Treffen findet im Rahmen der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen statt. Nur alle sieben bis acht Jahre treffen sich verschiedene christliche Denominationen aus der ganzen Welt, um über aktuelle Themen zu debattieren, miteinander Bibeltexte zu lesen, Gottesdienst zu feiern und sich trotz kultureller und theologischer Unterschiede versuchen gegenseitig zu zuhören und zu verstehen. Und ich kann dieses Mal daran teilnehmen.

Nun sitze ich in einem Raum mit fünfzehn anderen Menschen, denen ich noch nie in meinem Leben begegnet bin. Mich verunsichert auf einmal meine zuvor getroffene Wahl, genau diesen Workshop zu besuchen. Habe ich hier als Schweizerin wirklich etwas verloren? In Zürich wurde das Aids-Pfarramt vor nicht allzu langer Zeit aufgehoben, weil sich die Situation in der Schweiz so gut entwickelt hat. Doch gerade, weil das Thema mit meinem Arbeitsalltag so wenig zu tun hat, wollte ich hierherkommen. Ich wollte hören, wie sich die Botschaft Jesu «Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst» in diesen mir fremden, aber konkreten Situationen äussert.

Während ich den Kirchgemeindevertreter und Vertreterinnen aus Argentinien, USA, Uganda, Südafrika und Ghana zuhöre, spüre ich, wie sehr mich ihr Engagement berührt. Sie bieten Kurse an, um die Bevölkerung über die Krankheit aufzuklären, fahren mit Erkrankten zu ihren Therapien und nehmen sie in ihren Gemeinden auf. «Auch wenn es nun überall HIV-Medikamente gibt, ist eine Pille gegen Stigmatisierung noch nicht vorhanden», sagt eine Frau aus Uganda. Doch was genauso wichtig wie Aufklärung ist: dass der Priester oder die Pfarrerin in den Kirchgemeinden Menschen mit HIV, sichtbar für alle, umarmen. Viele glauben fälschlicherweise, dass sie sich selbst mit HIV anstecken könnten, wenn sie sich nähern. Oder stossen die Betroffenen aus ihrer Gemeinschaft, weil sie sie verurteilen, sich nicht sexualmoralisch an die richtige Norm gehalten zu haben. Eine Umarmung hält gegen solche Vorurteile an. Ich werde Zeugin dieser Christ:innen, wie sie Liebe und Hoffnung in ihren Handlungen sichtbar machen; aber auch von Tränen, die fliessen, weil Menschen immer noch an Aids sterben, weil sie sich aus Angst vor dem Verstossen werden, nicht frühzeitig testen lassen. Am Schluss geben sich alle die Hand und ein Lied wird gesungen. Wir kennen uns nicht. Aber es verbindet uns noch etwas Stärkeres. Ich würde dem Gott sagen. Andere würden vielleicht Liebe sagen. Beides hört sich für mich richtig an. Wir singen ein Lied, in welchem wir Gott darum bitten, uns zu vereinen.

Bevor alle wieder zurück zum Hauptprogramm gehen, umarmt man sich, als würde man sich schon ewig kennen. Die gute Nachricht von Jesus ist für mich sicht- und spürbar geworden. In diesem dunklen Hotelraum mit 80er-Jahre-Teppich.

Christina von Allmen-Mäder, Sozialdiakonin

Weitere Berichte und Videos über die Ökumenische Vollversammlung, welche vom 31. August bis 8. September stattfand, finden Sie auf: www.refbejuso.ch/vollversammlung oder www.oikoumene.org

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Einzigartig oder perfekt? https://ref-nidau.ch/einzigartig-oder-perfekt/ Thu, 29 Sep 2022 10:34:15 +0000 https://ref-nidau.ch/?p=5006  Kürzlich las ich beim Verlassen eines Restaurants auf einer Tafel:

«Einzigartig ist viel besser als Perfekt!»

Nur, was soll das bedeuten, was heisst das konkret? Da kam mir die Kirchgemeinde Nidau in den Sinn. Wohin geht bei uns die Reise? Wer sind wir, was wollen wir sein? Diese Auseinandersetzung beschäftigt den Kirchgemeinderat und das Pfarrteam. Dabei stellt sich die Frage: Was ist besser, einzigartig oder perfekt zu sein?

Einzigartig kann bedeuten, dass man einmalig oder aussergewöhnlich ist. Ausserhalb des Gewohnten. Ich denke da zum Beispiel an den Gottesdienst am Stedtlifescht Nidau. Ein Anlass mitten in Nidau auf dem Marktplatz. Dieser Gottesdienst war einzigartig, aber lange nicht perfekt. Denn wir hatten es versäumt, die Nachbarn zu informieren, oder sogar speziell dafür einzuladen. Es gab danach prompt eine schriftliche Reklamation wegen des Lärms (Alphorn).

 Wenn die Kirche sichtbar sein soll, so ist das nie perfekt, aber meist originell und damit einzigartig. Wir alle möchten, dass die Kirche sichtbar ist und wird. Die Kirche mitten im Dorf mit dem Kirchturm reicht nicht aus. Die Sozialdiakonie lanciert das Projekt «Chile-Velo» im Verlauf des nächsten Jahres. Wir bewegen uns zu den Menschen. Sie werden die Kirche anders, vielleicht auch aussergewöhnlich (einzigartig), wahrnehmen und erleben. Perfekt wird es sicher nicht sein, was, wenn das «Chile-Velo» «ä Platte het»?

 Wir sollten zusammen überlegen, was zu uns passt und was eher nicht. Nicht immer sollte alles einzigartig sein, denn Bewährtes hat durchaus seinen Platz und darf selbstverständlich weiterentwickelt werden. Die Kirche sollte nicht zu einer Event-Maschine werden. Wir wissen, dass jüngere Leute sich gerne durch Einzigartigkeit ansprechen lassen. Für die jüngere Generation ist das Perfekte eher unattraktiv.

 Voltaire (1772) hat zu Recht gesagt «le mieux est l’ennemi du bien» oder das Perfekte ist der Feind des Guten. Wann ist das Perfekte gut genug? Dann lieber 80 Prozent getan als gar nichts, sagt sich der Pragmatiker. Und der Optimist sieht auch in einem schwarzen Schaf eine gewisse Einzigartigkeit.

Das Projekt «Chile-Velo» fasziniert durch seine Vielfalt. Ich freue mich schon heute, einen Espresso (aus Bohnen einer lokalen Rösterei) der Kaffee-Bar des «Chile-Velo» zu trinken und angeregte, oder vielleicht auch einzigartige, Gespräche zu führen.

Eric Hoffmann,
Präsident Kirchgemeinderat Nidau

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Gesellschaft gibt’s nur geräumig https://ref-nidau.ch/gesellschaft-gibts-nur-geraeumig/ Sun, 04 Sep 2022 21:28:02 +0000 https://ref-nidau.ch/?p=4971 In feinem Lila und satterem Violett fliesst Tageslicht durch die grosse Rosette über Haupteingang und Orgelpfeifen ins Innere und erfüllt den Raum. Auch wir selbst tragen für einen Augenblick dieselben Farbtöne und werden Teil des «Schau»-Spiels. Wer drin ist, kann nicht bleiben, wie sie oder er ist. Der Raum steht für Wandlung.

Menschen kommen und gehen. So ist das Leben. Und so ist es auch hier. Wie sie auch immer wieder weggehen werden, sie kommen in verschiedenen Rollen. Kommen als Neugierige, als Geschichts- und Kunstinteressierte, als Konzertbesucherinnen und -Besucher, als Angekommene (wenn sie den Pilgerweg hierher erlaufen haben), als Suchende, oft als Hörende, als Gott Feiernde und immer wieder als Betende … Mit was für Vorstellungen über Leben und Tod, über «Gott und die Welt» sie alle kommen … mit welchen Eindrücken und Prägungen?

Faszinierend, was für eine Macht Räume haben können! Sie vermögen Menschen zusammenzuführen, die schnell ihre Verschiedenheit erfahren werden, sobald sie miteinander zu sprechen beginnen. So verschieden sie auch sein mögen, jetzt gestalten sie alle zusammen die Atmosphäre im grossen Raum. Im Geräumigen gibt’s Gesellschaft. Weite braucht’s in dem, was uns verbindet. Räumlich in der Architektur, räumlich auch in unserem Denken: Können wir andern, die unseren Ideen nicht entsprechen, Platz lassen oder sogar Platz geben? Wir bauen – ob religiös, ob nicht religiös – unsere eigenen Gedankengebäude, mit wieviel Schlüssigem, mit welcher Offenheit?

Der letzte Stein des «Nidaros» dürfe nicht gesetzt werden, wird hier in Trondheim (Norwegen) erzählt. Sonst rutschten Dom und Stadt ins Meer und gingen unter. Was wir verstehen können: Bewegen wir uns nur noch im Schlüssigen und Geschlossenen, suchen wir Gleichschaltung, damit etwas «richtig», «rein» und «wahr» sei, schaffen wir Polarisierungen, um etwas auf die Spitze zu treiben, verengen wir Glaube zur Ideologie: Wir wären verloren!

 Der Bettag im September ist «eidgenössisch». Wir brauchen Weite in Verbundenheit. Gesellschaft gibt’s nur geräumig. Und wer sich in der Verbindung mit Gott erfährt, findet vielleicht gerade im Beten die Möglichkeit sich zu öffnen … gegenüber den andern, die anders zu sein scheinen als man selbst. Ohne Wenn und Aber. Einfach mit einem Ja. «Ja, Du bist … bist ein Du für mich.»

Pfarrer Urs Zangger

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Staub von Sternen bin ich … https://ref-nidau.ch/staub-von-sternen-bin-ich/ Thu, 04 Aug 2022 13:06:13 +0000 https://ref-nidau.ch/?p=4933 Hagar ist eine Sklavin aus Ägypten. Sie arbeitet im Haushalt Abrahams und Sarahs. Sarah bekommt über viele Jahre keine Kinder. Schliesslich willigt sie ein, dass Abraham mit der Sklavin schläft, damit die Familie doch Nachkommen erhält. Hagar wird schwanger und ist stolz darauf; in ihrem Blick drückt sie leise Verachtung für Sarah aus. Sarah rächt sich und lässt Hagar die niedrigsten Arbeiten verrichten. Da hält die Sklavin es nicht mehr aus und flieht in die Wüste.

Gezeichnet von der sengenden Sonne rastet Hagar erschöpft an einem Brunnen. Auf einmal sieht sie einen Malach, d.h. einen Boten oder einen Engel. Seine Worte stärken sie, machen ihr Mut. Heute könne wir das zum Beispiel so verstehen: An einem Brunnen in der Wüste, in einem Moment der Entspannung, geht Hagar ein Licht auf. Welches Licht? Die Erkenntnis und das Ge- fühl, dass da ein Gott ist, der sie sieht. Hagar fühlt sich von Gott erkannt, gut wahrgenommen. In ihrer misslichen Lage, in ihrer unentwegten Demütigung, in ihrer Flucht, mit ihrem Kind im Bauch. Daraufhin nennt sie den Brunnen, an dem sie erfrischt wurde: Brunnen des Lebendigen, der mich sieht. (1. Mose 16,13).

Ich bin 1 Person unter fast acht Milliarden Menschen auf der Erde. 1 Planet in einem Sonnensystem mit acht Planeten. 1 Sonnensystem unter hunderten von Milliarden Sonnen in dieser Galaxis. 1 Ga- laxis unter 100 bis 200 Milliarden Milchstrassen im heute bekannten Universum. Kennen Sie das kosmische Staunen oder Schaudern? Wer bin ich als einzelner Mensch im Verhältnis zu diesen Grössenordnungen? Die astrophysikalische Antwort ist klar: Ich bin Sternenstaub. Als Einzelner bin ich ein bedeutungsloses Sandkorn im Universum, etwas Gischt auf dem weiten Ozean des Lebensstroms. Daran gibt es wenig zu rütteln.

Auf einer anderen Ebene kenne ich diese Intuition, dieses Ahnen, vielleicht auch diesen Wunsch, dass ich als einzelne Person eine Bedeutung habe. Eben dieses Sehnen nach Wert als Individuum kann in den Worten Hagars eine Antwort finden: Du bist ein Gott, der mich sieht. In deinem Blick fühle ich mich erkannt und bedeutungsvoll.

Ich stelle mir vor, wie Hagar später ihren Sohn bei der Geburt mit den Augen begrüsst und liebevoll willkommen heisst (oder war sie von der Geburt sehr erschöpft?) Ich verinnerliche diesen erkennenden und wohlwollenden Blick Hagars. Ich mache den Blick Gottes, der Hagar beim Brunnen so erkannte, wie sie war, zu meinem. Ich nehme also diese anerkennenden Blicke und Worte in mich auf. Und werde Staub von Sternen mit Bedeutung und Wert.

Dies im Widerspruch dieser Ausdrücke, entgegen dem Offensichtlichen, der kosmischen Bedeutungslosigkeit zur Alternative.

Mir tun Geschichten und Bilder gut, die dem Einzelnen Wert und Würde zusprechen. Wie die Erzählung von Hagar. Damit ich sie aufneh- me und mich in Momenten erkenne als … bedeutsames und wertvol- les Sandkorn im Weltraum.

Pfarrer Peter Geissbühler

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