Der November gilt bei uns traditionell als der „Trauermonat“. Fallende Blätter, der Rückzug der Natur, kürzere Tage, Kälte und Nebel lassen uns die Vergänglichkeit spüren.
Der goldene Herbst ist vorbei, in den Kirchen und auf den Friedhöfen werden Gedenktage für die Toten gefeiert. Die Gräber werden für den Winter vorbereitet, geschmückt mit Tannengrün, winterhart, vielleicht ein Grablicht. Das Jahr nimmt seinen Lauf.
Sterben, Abschied, Trauer gehören zum Leben, die Hinfälligkeit ist Teil seiner Einzigartigkeit und Tiefe. Doch für diejenigen, die einen nahen, geliebten Menschen verloren haben, ist es ein schwacher Trost, etwas «Natürliches» zu erleben. Der Abschiedsschmerz brennt, der Schock über eine unerwartete Todesnachricht sitzt vielleicht noch tief, oder die Erschöpfung lähmt, wenn dem Tod eine lange Krankheits- und Leidenszeit vorausging, die den Angehörigen viel Kraft gekostet hat.
Darum setzen wir jeweils im Oktober mit dem Trauer-Café ein. Seit etlichen Jahre bieten wir in den Wintermonaten bis März diesen Treff an, und auch wenn das Angebot nur eine kleine Zielgruppe anspricht, es lohnt sich. Den Trauernden tut es gut, über ihre Situation zu reden, andere Geschichten zu hören und zu merken: Ich bin mit meiner Erfahrung nicht allein, auch andere haben ihre Not, ihre Trauer und spezifischen Herausforderungen, ihre Strategien, damit umzugehen. Besonders tröstlich ist es, wenn Verständnis von Menschen kommt, die selbst Trauer und Verlust erlebt haben.
Das Gespräch ergibt sich meist von selbst. Als Organisatorinnen und Begleiterinnen stossen wir zu Beginn des jeweiligen Treffens kurz ein Thema an, das für Trauernde relevant sein kann. Beispielsweise sprechen wir über Trauerphasen, Schmerz, Ohnmacht oder Schuld, über Spuren der Verstorbenen im Alltag, das Alleinsein, persönliche Trauerrituale oder Vorstellungen vom Leben nach dem Tod. Die Gesprächsimpulse dienen dem Einstieg, aber es können sich daraus auch andere Themen entwickeln.
Ideal ist, wenn die Gruppe nicht zu klein, aber auch nicht zu gross ist. Das haben wir als Begleiterinnen nicht in der Hand, aber wir hoffen, dass es auch in diesem Winterhalbjahr gelingt. Viele positive Rückmeldungen bestärken uns in der Überzeugung: Trauer kann überwunden werden, braucht aber Zeit.
Hinterbliebene können wieder zuversichtlich und lebensfroh werden. Ein ehemaliger Teilnehmer sagte mir kürzlich: «Natürlich vermisse ich meine Frau immer noch, ich spüre Wehmut, aber der Schmerz erdrückt mich nicht mehr. Die Erinnerungen sind da, aber es gibt auch viele Erlebnisse, die ich seit dem Tod gemacht habe, die ich nicht missen möchte.»
Silvia Liniger, Pfarrerin
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Bildlegende: Momente auf dem Friedhof, oder Blätter, die von den Bäumen fallen, lassen uns die Vergänglichkeit spüren. (Foto: E. Loosli)

