«Mittendrin und vis-à-vis leben wir Kirche, Glauben und Vielfalt»
Wir sind eine aktive, offene Kirchgemeinde am Bielersee, welche die Pfarrkreise Nidau / Port / Ipsach / Bellmund und unsere „Communauté romande“ mit total rund 5500 Mitgliedern umfasst. Mehr als 30 Mitarbeitende und rund 200 Freiwillige gestalten das kirchliche Leben.
La paroisse de Nidau est bilingue, et la communauté romande a un poste pastoral qu’elle partage avec la paroisse française de Bienne.
Entdecken Sie unsere vielfältigen Gottesdienste, Anlässe und unser weiteres Angebot.
Hoffnungsvoll unterwegs da!
Leitartikel
- Innehalten und mit Halt weitergehen

Geschafft! Just in time – gerade rechtzeitig bin ich da. Auf dem Velo, wenn auch ohne Batterie, bin ich beschleunigt unterwegs. Zu Fuss hätte ich deutlich länger gebraucht. Das «Vélociped», mein «Schnellfuss», erlaubt mir ein schnelleres Ankommen. Die gewonnene Zeit ist längst für weitere Aufgaben eingesetzt. In derselben Zeit verrichte ich mehr. Die Übergänge vom einen zum anderen bleiben knapp. Ich haste weiter…
Beschleunigung ist keine neue Erfindung, neu sind die Dimensionen. Wir können mehr Dinge gleichzeitig tun, führen den Hund «Gassi» und schieben den Kinderwagen und telefonieren dazu und beantworten den jüngsten Pieps auf WhatsApp umgehend. Beschleunigung ist nicht ein Phänomen der Jüngeren. Mit den technischen Möglichkeiten können Ältere länger beschleunigt bleiben, auch auf dem E-Bike, dehnen den Mobilitätsradius mit Flugmeilen, haken ihre wachsenden «Löffellisten» mit den noch offenen Lebenswünschen ab und haben gut gefüllte Terminkalender.
Ein Meister fragt den Schüler: «Ich frage dich nicht, wie deine letzten fünfzehn Tage waren. Ich frage dich: Wie werden deine nächsten fünfzehn Tage sein?» – Wie reagiert der Schüler? Er denkt genau an all das, was in den letzten Tagen gewesen war und was in den nächsten Tagen sein wird. Er sichtet und wertet: Was war gut? Was schlecht? Was mühsam? Was vergeblich? Schwierige Gefühle von Ärger oder Wut können aufkommen, Ängste vor Versagen und Überforderung, vor Nicht-Genügen und Nicht-Gelingen. Die Stimme des Meisters will den Schüler aber genau da hindurchführen, in die Gegenwart. Jeder Tag ist voll Leben! Und das zeigt sich so und so, immer wieder anders, immer wieder neu. Wertungen braucht es nicht. Jeder Tag ist in dem Sinn ein «guter» Tag.
Öffnen wir uns dem, was sich uns auch immer zeigt, werden wir langsamer «wie von selbst». Wir sehen nicht nur, was unsere Augen sehen, wir kommen ins Betrachten, verlangsamen den Schritt, bleiben stehen, setzen uns hin… und erfahren, was ist. Vielleicht ist es sogar einmal ein wirklich leergeräumtes Zimmer. Wie immer: Leere muss nicht bedrohlich sein. Sie gibt Raum zum Sein. Wir erleben sie, wann immer wir loslassen können: Unsere Wünsche (gerade auch die unerfüllten), unsere Vorstellungen, wie die Welt, unser Leben, Gott und wir selbst sein müssten. Ohne etwas haben zu wollen, ohne etwas wissen zu wollen, ohne etwas zu wollen – auch nicht im Innehalten – kommen wir im Hier und Jetzt an. Wir sind einfach.
Für diese Haltung – und es ist eine Haltung, nicht Gleichgültigkeit – hat Meister Eckhart (1260-1328) den Begriff «Gelassenheit» geprägt. Können wir innehalten, werden wir je und je erfahren: Gerade im Loslassen erfahren wir Halt. Es ist eine Übung auch im Weitergehen. Wir bewegen uns im offenen Geheimnis Leben.
Urs Zangger
Im Rahmen der Aktionswoche «Innehalten» – https://www.innehalten-schweiz.ch/ laden wir ein zu frühmorgendlichen Sitz-Meditationen.
Dienstag, 20. Oktober / Donnerstag, 22. Oktober / Samstag, 24. Oktober, jeweils 7.00-8.00 Uhr
Kapelle Nidau
Wir öffnen uns im Morgenerwachen dem Ursprünglichem. Wir lassen uns vom Atem leiten, gewinnen dadurch Distanz zu wiederkehrenden Gedanken und Gefühlen und überlassen uns in der gegenstandslosen Sitz-Meditation dem, was uns belebt. Ein gemeinsamer Tee schliesst den Morgenmoment ab.
Anleitung: Urs Zangger, Pfarrer und Kontemplationslehrer www.viaintegralis.ch
Anmeldung/Rückfragen: urs.zangger@ref-nidau.ch 079 326 65 68
Bildlegende: Öffnen wir uns dem, was sich zeigt, werden wir langsamer, kommen ins Betrachten. (Foto: Carlos de Miguel/unplash)







