Anfang 2026 stiess Ina Murbach zu unserem (Pfarr-)Team. Sie bringt eine breite Lebens- und Berufserfahrung mit – und viel Lust, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Ein Kurz-Interview.
Ina Murbach, welchen ersten Eindruck hast Du von der Reformierten Kirchgemeinde Nidau?
Mein erster Eindruck ist sehr positiv. Ich wurde sehr herzlich empfangen und habe in kurzer Zeit schon viele Menschen kennen gelernt, die sehr offen auf mich zukamen. Ich fühle mich willkommen hier. Die Kirchgemeinde ist viel grösser als Pilgerweg-Bielersee, wo ich Ende 2025 meine Ausbildung abgeschlossen und zuletzt eine Stellvertretung innehatte. Mir scheint, dass gerade manches im Umbruch ist. Ich bin gespannt auf die Entwicklung der Kirchgemeinde Nidau, die ich ja vermutlich auch ein bisschen werde mitgestalten können.
Du warst bisher in der Kirchgemeinde Pilgerweg-Bielersee tätig. Was reizt Dich daran, Dich nun in der KG Nidau als Pfarrperson einzusetzen?
Bei den Sondier- und Vorstellungsgesprächen für meine Stelle in Nidau hatte ich den Eindruck, dass ich gut mit den Menschen, die ich dort kennenlernte, würde zusammenarbeiten können. Nach den ersten Arbeitswochen hat sich dieser Eindruck verfestigt. Ausserdem ist Nidau (sowie Port und Ipsach) von Magglingen aus, wo ich wohne, schnell erreichbar mit Velo oder E-Bike. Ein schöner Arbeitsweg und ein Schwimmbad in der Nähe sind für mich zusätzliche Pluspunkte; so kann ich zwischendrin immer wieder die Batterien aufladen. Last but not least: Ich habe Verwandte in der Gemeinde und fühle mich hier auch zu Hause.
Worauf legst Du bei Deiner Arbeit Wert?
Dass sie mir Freude macht! Natürlich gibt es bei jeder Arbeit auch ein paar Dinge, die man weniger gern macht. Aber grundsätzlich war meine Erfahrung im Vikariat so, dass ich die vielseitige Arbeit im Pfarramt wahnsinnig gerne mache. So lange ich mit Freude und Liebe arbeite, bin ich ganz bei mir und gleichzeitig offen für die Umgebung. Ich glaube, das ist in diesem Beruf besonders wichtig. Und sonst: Mit Theologie ist man nie fertig, das geht von der Wiege bis zum Totenbett und verwebt sich mit den Lebensumständen und mit den Menschen, die einem begegnen. Gemeindemitglieder werden meine theologische und spirituelle Entwicklung beeinflussen und ich ihre. Jede( r ) kann theologisieren – Augenhöhe ist mir sehr wichtig!
Gibt es etwas Spezielles, das Du nun bei uns einbringen möchtest?
Zunächst geht es jetzt darum, die Menschen und ihre Begabungen, die Räume und die Struktur der Gemeinde kennenzulernen. Aus diesem Potential heraus möchte ich dann gestalten, darauf freue ich mich! Mir liegt viel daran, auch Kontakt und Begegnungen mit eher kirchenfernen Menschen zu pflegen. Ich bin davon überzeugt, dass Spiritualität ein menschliches Grundbedürfnis ist. Mir ist es ein Anliegen und eine grosse Herausforderung eine Sprache zu finden, die sowohl praktizierenden Christ:innen wie auch skeptischen Menschen Räume öffnet, in denen sie sich aufgehoben fühlen können.
Dein Einstieg war (in meinen Augen) etwas speziell: Du bist gleich mit einem Gottesdienst gestartet. Wie hast Du dies erlebt?
Ja stimmt, es war ein steiler Einstieg. Ich hatte ihn mir letzten Sommer bei der Gottesdienst-Planung, bei der ich schon dabei sein durfte, selber eingebrockt. Der abrupte Wechsel von den alten Kirchen in Ligerz und Twann zum modernen Matthäus-Zentrum war nicht einfach. Mir gefällt sowohl alt wie modern, aber moderne Räume haben eine andere Ausstrahlung, sie wollen anders bespielt werden. Das hatte ich unterschätzt. Aber im Grossen und Ganzen ging es ja trotzdem gut und wie gesagt: Der Empfang im Matthäuszentrum war sehr herzlich!
Wie findest Du den Ausgleich zu Deinem heutigen Beruf?
Das gemeinsame Essen und der Austausch über die je eigene Tagesplanung beim Frühstück bzw. Erlebtes beim Nachtessen am Familientisch sind mir sehr wichtig. Mit meinem 18-jährigen Sohn gibt es oft spannende Diskussionen nach dem Abendessen. Dafür Zeit zu haben ist mir heilig. Kreativität ist im Pfarrberuf sehr wichtig. Ich nehme deshalb Musikstunden (Singen und Klavier) bei der Organistin von Pilgerweg-Bielersee. Beim Klavierspielen muss man ganz da sein – es zentriert, und Singen ist eigentlich sowas wie erweitertes Atmen – nach dem Singen fühle ich mich erholt und ausgeglichen. Letzten Sommer haben mein Mann André und ich das Tanzen entdeckt. Nicht, dass wir begabt wären, aber es macht einfach Spass! Und in der wärmeren Saison habe ich stets Badkleid und ein Mini-Abtrocknetuch für ein spontanes Bad in einem freien Gewässer im Rucksack.
Interview: Edith Loosli, Fachperson Kommunikation/Marketing
Über ihren Quereinstieg in den Pfarrberuf erzählt Ina Murbach im Leitartikel des März-2026-reformiert.

