Letzthin sassen wir als ganze Familie am Stubentisch, und eines meiner Kinder meinte wie aus dem Nichts:
«In welchen Luftschutzbunker müssen wir, wenn es Krieg gäbe?»
Die anderen Familienmitglieder schauten sich überrascht und etwas verdutzt an ob dieser scheinbar deplatzierten Frage. Ich war einerseits ebenfalls überrascht. Andererseits war ich es auch nicht, wenn man bedenkt, dass Kinder aufmerksam durch die Welt gehen und in Bussen und Zügen die eine oder andere Nachricht aufschnappen.
Die Weltlage hat sich eingetrübt – das schleckt keine Geiss weg. Tatsächlich gehöre ich zu jener Generation, die glücklicherweise bis jetzt kaum unmittelbar mit Bedrohung und Krieg in Berührung gekommen ist. Die Kriege finden meist weit weg statt oder wirken seltsam technisch oder sauber von uns distanziert. Unser Sicherheitsgefühl hatte seit meiner Kindheit ein dickes Polster: Unser Land ist neutral, und im schlimmsten Fall gibt es den verbündeten starken Westen. Der Krieg, die unmittelbare Bedrohung für uns – sie war lange Zeit surreal.
Und heute?
Ich weiss nicht, ob es an den Medien liegt, aber dieses Sicherheitsgefühl wirkt nicht mehr wie ein Jackenpolster, sondern eher wie eine Strickjacke im Hochwinter. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will keine Kassandra sein, die den Teufel an die Wand malt. Aber eine gewisse Unsicherheit macht sich breit.
Die Frage meines Kindes verdichtet dieses diffuse Gefühl auf eigenartige Weise: Was soll ich antworten? Abwinken, lächeln und beschwichtigen? Nein – das wäre nicht richtig, weil ich seine Gefühle und das, was es über Medien wahrnimmt, nicht ernst nehmen würde.
Stattdessen erinnerte ich mich an die Worte meiner Tante, die – ehrlich gesagt manchmal etwas verschroben – in Momenten der Bedrohung Verse aus dem Epheserbrief (Kapitel 6) zitierte:
«So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit … und ergreift den Schild des Glaubens … und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes … Betet allezeit …»
Ich weiss, dass ich diesen Versen exegetisch (eine detaillierte theologische Auslegung) kaum gerecht werde – und das ist hier auch nicht meine Absicht. Doch ein Bild sticht heraus: der Panzer der Gerechtigkeit.
Würden wir nicht einen Schritt vorwärtskommen, wenn wir uns für Gerechtigkeit einsetzen – um uns herum und in der Welt? Die Bibel nennt sie den eigentlichen Schutz.
War es nicht genau das, was mein Sohn suchte? Einen grossen Panzer. Oder modern gesprochen: einen sicheren Bunker für uns alle.
Wäre uns nicht mehr gedient, wenn die Kirche, die weltweite Gemeinschaft, statt sich vor Territorialansprüche und Drohungen zu ducken, die Gerechtigkeit ins Zentrum stellte?
Und ja: Für einen guten Bunker müsstae unsere Familie wohl in die Nachbarsgemeinde.
Wir brauchen die anderen.
Für ein Evangelium des Friedens
Fabio Carrisi, Pfarrer
Bild: KI-generiert
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